Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
der amerikanische Aktienmarkt feiert neue Höchststände, angetrieben von der Erwartung auf eine rasche geopolitische Entspannung. Zum Glück will nicht nur der Westen eine baldige Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Auch China, der wichtigste Verbündete Irans, dürfte kein Interesse daran haben, die Weltwirtschaft durch Energieverknappung in eine Depression rutschen zu lassen (s. auch Interview von Mark Dittli auf themarket.ch mit Marko Papic, dem geopolitischen Chefstrategen von BCA Research). Doch der Weg zu einem neuen Normalzustand könnte steiniger werden, als optimistische Spekulanten erwarten.
Die Illusion in der Straße von Hormus
Die Kurserholung am Aktienmarkt im April beruht bisher vor allem auf Hoffnungen. Ein Blick auf unseren ersten Chart – die täglichen Schiffsdurchfahrten in der Straße von Hormus – zeigt die ungeschminkte Realität: Von einer Erholung auf Vorkrisenniveau sind die globalen Handelsrouten weit entfernt. Der Ökonom Louis-Vincent Gave (ebenfalls auf themarket.ch) bringt das Kernproblem auf den Punkt: Wir verlassen das Zeitalter ungestörter, freier Handelswege. Die Konsequenz ist ein globaler Zwang für Staaten und Unternehmen, Rohstoffe zu horten und redundante Kapazitäten aufzubauen. Dieses neue Umfeld ist strukturell und vor allem tiefgreifend inflationär.
Warnsignale am Staatsanleihemarkt
Diese strukturell inflationäre Entwicklung trifft auf historisch beispiellose Schuldenberge. Wenn Henry Paulson, der ehemalige US-Finanzminister und Architekt der Bankenrettung 2008, heute vor einem „bösartigen Notfall“ am US-Staatsanleihemarkt warnt, ist höchste Vorsicht geboten. Bei fast 39 Billionen Dollar US-Staatsverschuldung bröckelt die jahrzehntelange Gewissheit einer grenzenlosen Nachfrage nach Staatspapieren. Michael Hartnett von der Bank of America spricht in der aktuellen Markterholung von einer klassischen „Bullenfalle“: Eine Rallye, die ignoriert, dass die drohende Stagflation in den zinssensitiven Sektoren (s. z.B. Gesundheits- & Basiskonsum-Aktien) bereits massive Risse hinterlässt.
Quelle: www.empiria-fonds.de (Haase-Mölk-Tsouloftas), Stand: April 2026
Das Echo der 70er und der Absturz der teuren Lieblinge
Was bedeutet dieser geopolitische und fiskalische Cocktail für das eigene Portfolio? Unser zweiter Chart liefert die Antwort und weckt starke Erinnerungen an die 1970er Jahre. Damals, in einem von Stagflation geprägten Jahrzehnt mit einer durchschnittlichen Teuerung von 8 % p.a. im US-Dollar, erlebten teure US-Aktien ein verlorenes Jahrzehnt.
Von 1970 bis 1982 erzielte der S&P 500 nur rund +18% Kurszuwachs, während die Konsumentenpreise zeitgleich um +150% stiegen. Inklusive Dividenden aber vor Steuern brachte es der US-Leitindex immerhin auf +100%. Doch während fundamental überteuerte, große Aktien den Indexanstieg unter der Inflation hielten, konnten beispielsweise die 100 nach KGV günstigsten, eher kleineren Aktien im S&P 500 ihren Wert in der gleichen Zeit mehr als versechsfachen.
Die Geschichte reimt sich gerade vor unseren Augen: Die Auswertung der nominalen Aktienperformance von Ende März 2025 bis Ende März 2026 zeigt, dass der Wetterwechsel bereits in Gange ist. Erneut sind es die Aktien mit mittleren bis günstigen Bewertungen, die im S&P 500 die beste Performance erzielen. Im Gegensatz dazu haben hoch bewertete Titel aus Sicht eines Euro-Anlegers im gleichen Zeitraum sogar leichte Verluste verbucht.
Preiswerte Qualität profitiert vom Wetterwechsel
Für den Empiria Stiftung Balance global ist diese Entwicklung eine Bestätigung unserer regelbasierten Ausrichtung. Unser Aktienauswahlprozess führt uns kompromisslos zu preiswerten Qualitätsaktien. Auf der regionalen Ebene leitete uns dieser Prozess zu einem wachsenden Anteil asiatischer Titel im Portfolio und auf der Sektorebene schrumpften die eher zinssensitiven Sektoren (Gesundheit/Basiskonsum) während sich der Schwerpunkt sukzessiv in Richtung Industrieunternehmen verlagert hat. Für das sich abzeichnende, strukturell inflationäre Umfeld sind wir damit gut positioniert.
In einer Welt voller geopolitischer Blockaden und fiskalischer Überdehnung bieten nicht die teuersten, sondern die qualitativ hochwertigsten und zeitgleich vernünftig bewerteten Geschäftsmodelle den besten Schutz für Ihr Vermögen – natürlich ergänzt durch aktives Risikomanagement (Signale siehe Seite 5).
Quelle: www.empiria-fonds.de (Haase-Mölk-Tsouloftas), Stand: April 2026
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