Im Auge des Sturms: Qualität & Risikomanagement sind Trumpf

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

das erste Opfer eines Krieges ist bekanntlich die Wahrheit. Das zweite Opfer ist zumeist die Geldwertstabilität. Wer in diesen Tagen auf die Weltkarte blickt, erkennt schnell, dass wir uns in einer Phase massiver geopolitischer und wirtschaftlicher Umbrüche befinden. Für Investoren stellt sich daher drängender denn je die Frage: Wie navigiert man sein Vermögen sicher durch solche Krisenzeiten?

Geopolitik und die Illusion der schnellen Lösung

Der Krieg im Nahen Osten dominiert die Schlagzeilen. Historisch betrachtet gilt: Wenn es für Staaten darum geht, einen Konflikt zu gewinnen, spielt Haushaltsdisziplin keine Rolle. Krieg ist immer inflationär. Ein Blick auf die Ölpreiskurve (s. Abb. 1) zeigt aktuell ein klares Bild: Der Markt preist auf kurze Sicht eine extreme Knappheit ein, hofft aber auf eine baldige Entspannung in den kommenden Monaten. Tritt dieses milde Szenario ein, dürften die weltwirtschaftlichen Folgen überschaubar bleiben.

Bleibt die Versorgung mit Öl und Gas aus dem Nahen Osten – etwa durch eine Blockade der Straße von Hormus – jedoch über längere Zeit stark eingeschränkt, wachsen die Risiken mit jeder Woche. Welche Sicherheiten benötigt die Führung im Iran, um einzulenken? Ein Stück Papier mit der Unterschrift von Donald Trump wird kaum ausreichen. Dass die USA trotz massiver Bombardements keinen Regimewechsel in Teheran herbeiführen konnten und der Iran weiterkämpft, sendet ein für die USA fatales Signal: Amerika ist viel schwächer, als Donald Trump es die Welt glauben machen möchte.

Ein globales Netz des Misstrauens

Dieser Umstand bleibt auch US-Verbündeten nicht verborgen. Wie verändert sich der Wert amerikanischer Sicherheitsgarantien? In Südkorea registriert man besorgt, dass das zum eigenen Schutz installierte THAAD-Raketenabwehrsystem plötzlich in Richtung Israel verlagert wird. Die Ukraine zieht bittere Vergleiche zwischen der westlichen Unterstützung für Kiew und jener für Tel Aviv. Jene Golfstaaten, die US-Militärbasen in der Erwartung von US-Schutz auf ihrem Territorium zuließen, erkennen nun, dass diese Präsenz sie im Krisenfall nicht schützt, sondern zur Zielscheibe macht. Dieser Krieg hat das Potenzial, den Niedergang des globalen US-Einflusses massiv zu beschleunigen. Es stellt die zumindest mittelfristig höchst relevante Frage für die Finanzmärkte: Wohin werden die gigantischen Öl-Gelder der Golf-Dynastien fließen, falls sie sich enttäuscht von Washington abwenden?

Abb. 1 zeigt, dass es nicht „den Ölpreis“ gibt, sondern viele und zwar in Abhängigkeit vom vereinbarten Liefertermin (hier für die Monate Mai 2026 bis März 2027). Die Abbildung vergleicht die Terminkurven für Brent-Öl von Mitte Februar (blaue Linie) mit den aktuellen Preisen (Mitte März). Innerhalb eines Monats (Mitte Februar zu Mitte März 2026) schossen die Preise massiv in die Höhe. Vor allem am kurzen Ende verteuerte sich Öl extrem (+52 %). Die nun steil abfallende rote Kurve signalisiert eine akute Verknappung am aktuellen Markt. Die niedrigeren Preise für spätere Lieferungen signalisieren, dass am Markt gleichwohl mit einer Entspannung der Situation in den kommenden Monaten gerechnet wird.

Die unsichtbare Krise im Finanzsektor

Sollte es zu einer größeren, anhaltenden Krise kommen, stehen Regierungen und Notenbanken vor einem bekannten Dilemma: Priorisieren sie die Inflationsbekämpfung oder die Rettung der Wirtschaft? Ein Blick auf die Covid-Zeit lässt erahnen, wohin die Reise geht. Im Zweifel werden die Druckerpressen angeworfen und der Geldwert geopfert, um die Wirtschaft – und nicht zuletzt die eigenen Wiederwahlchancen – zu retten.
Während alle Augen auf den Nahen Osten gerichtet sind, entwickelt sich im medialen Schatten eine weitere Krise, die nicht unterschätzt werden darf. Das klassische Beteiligungsgeschäft (Private Equity) läuft schon länger unrund. Nun mehren sich im Schattenbankensektor (Private Debt) die Warnsignale und Ausfallrisiken. Die Sorge vor Domino- und Ansteckungseffekten im Bankensektor nimmt merklich zu, was sich an der sehr schwachen Performance vieler Bankaktien und Private Markets Manager im laufenden Jahr ablesen lässt (siehe Abb. 2).

Unser Kompass: Der Empiria Stiftung Balance global

Genau hier greift unsere Philosophie: Im Empiria Stiftung Balance global verzichten wir bewusst und konsequent auf Bankaktien. Deren Wert kann im Fall von Finanzkrisen quasi „über Nacht“ ausgelöscht werden. Wir bevorzugen in unserem Aktienportfolio absolute Ruhe und geringe Kursschwankungen – weshalb wir seit Auflage der Strategie einen weiten Bogen um klassische Banken und Schattenbanken machen.
Der Krieg im Nahen Osten und die Risse im Finanzsektor spiegeln sich in unserer globalen Empiria Matrix bereits in schwächeren Trendstrukturdaten wider (s. Seite 5). Sollten sich beide Krisenherde nicht beruhigen, wird unser System in den kommenden Wochen vermutlich Signale zur Absicherung unseres Aktienportfolios generieren. Diese werden wir – wie in allen Krisenphasen der letzten zehn Jahre – konsequent und umgehend umsetzen.
Wer sich in diesem Umfeld in vermeintlich sichere Häfen wie Bankguthaben oder Staatsanleihen flüchtet, sitzt einer gefährlichen Illusion auf. Aktien mögen in stürmischen Zeiten schwanken, doch defensive Qualitätsaktien erholen sich immer wieder. Für ungedeckte Währungen gilt dies nicht.

Abb. 2 verdeutlicht die signifikante relative Schwäche von Banken (gelb) und Private Markets Managern (rot) im Vergleich zum globalen Aktienmarkt (MSCI ACWI, blau) seit Jahresbeginn auf US-Dollar-Basis. Hinter den massiven Kursverlusten der Finanzwerte steht ein toxischer Mix: Das Private-Equity-Geschäft stockt, im Bereich Private Debt häufen sich die Probleme, und parallel dazu wachsen die Sorgen vor möglichen Ansteckungseffekten im klassischen Bankensektor.